Predigtimpuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis

P. Lorenz Voith CSsR, Redemptoristenkolleg, Marienpfarre

Einen Wunsch haben dürfen

Stellen Sie sich vor, sie würden jetzt und hier die Möglichkeit erhalten, einen Wunsch erfüllt zu bekommen. Von Gott selbst. Sie haben dabei mehrere Möglichkeiten zu wählen. Was würden Sie wählen?

Würden Sie sich „Gesundheit und ein langes Leben“ wünschen?

Oder:“ Geld, Erfolg, Reichtum und Macht“?

Oder: „Frieden, Wohlergehen und Gerechtigkeit, …“?

Was würden Sie wählen? Ganz ehrlich!

Sie haben dazu aber nicht lange Zeit. Nur so lange, als die Messe heute dauert.

Eine verlockende Gelegenheit. Aber: ich muss wählen, es gibt nicht immer alles. Gar nicht so leicht.

Die Wünsche. Die griechische Mythologie, aber auch zahlreiche Geschichten aus vielen Kulturen der Welt, behandeln solche elementare Wünsche.

Zwei Beispiele:

Midas wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold würde.

Der Wunsch wurde ihm gewährt. Doch da ihm nun auch Essen und Trinken zu Gold wurden, drohte ihm der Tod durch Hunger oder Durst. Deshalb bat er den Gott, die Gabe zurückzunehmen.

Der liebe Gott bittet in Gestalt eines armen Alten um Obdach.

Spöttisch weist ein Reicher ihn ab. Doch der arme Nachbar winkt ihm.

Er teilt mit ihm, sie reden. Gott erzählt die Geschichte vom Schmied von Jüterbog und noch eine.

Er gewährt ihm drei Wünsche, der Mann wählt Seligkeit, Gesundheit und Reparatur des Hauses. Der Reiche sieht zu. Er erschauert, wie des Nachbars Häuschen schön wird.

Auf Befehl seiner Frau reitet er dem Alten nach, lässt sich drei Wünsche und den Sack geben, den dieser vom Nachbarn bekommen hat. Auf dem Heimweg wünscht er aus Hast und Wut, dass das Pferd sich den Hals bricht, dann dass die Frau auf dem Sattel sitzt. Daheim braucht er den dritten Wunsch, sie wieder zu befreien.  Aus dem Sack überkommt ihn des Nachbars Armut.

Salomo und sein Wunsch

Heute in der Lesung aus dem 1. Buch der Könige wird auch von einem besonderen Wunsch berichtet. Nenn mir eine Bitte, spricht Gott im Traum zu Salomon, die ich dir gewähren soll? Und Salomon erbittet sich nicht Macht, nicht Gesundheit, nicht Reichtum, nicht Frieden oder anderes, … sondern: Er bittet um ein „HÖRENDES HERZ“, damit er das Gute vom Bösen zu unterscheiden vermöge. Ist das nicht großartig. Er bittet nicht für sich selbst. Er bittet um ein hörendes Herz, damit er seinen Aufgaben und seiner Berufung gerecht werden kann. Er bittet damit um etwas, was weit über die persönliche Befindlichkeit hinaus geht. Es geht um das ganze Volk.

Übrigens: Im Namen Salomon ist das hebräische Wort schalom enthalten, das für Wohlfahrt und Frieden steht.

In der Firmung haben wir alle die Gaben des Heiligen Geistes zugesagt erhalten. Jeder und jede von uns. Dahinter steht die Frage: Was hat Gott mit mir vor? Wozu bin und lebe ich? Was für einen Platz ist mir in dieser Zeit zugewiesen -familiär, beruflich, in der Kirche, in der Gesellschaft. Welche „Spuren“ soll ich hinterlassen? Diese Fragen darf ich auch noch im hohen Alter stellen!

„Siehe ich gebe dir ein weises und verständiges Herz“ – so heisst es bei Salomon.

Paulus spricht heute in der Lesung von der Zusage, „dass denen, die Gott lieben, ihn suchen, alles zum Guten gereicht wird“ – ganz gleich was komme wird.

Auch Jesus steht in der Verheißung von Salomon. Der verborgene Schatz im Acker ist auch so ein Hinweis. An uns liegt es, diesen Schatz zu heben.

Br. Roger Schutz, der Gründer der ökumenischen Bewegung in Taize hat es einmal so ausgedrückt: „Lebe vom Evangelium, was du verstanden hast“. Lebe von diesem Schatz, den zu gefunden hast.

Mein persönlicher Wunsch:

Welchen Wunsch würde ich persönlich heute aussprechen?
Ich denke, ich würde um „Weisheit“ bitten. Eine wichtige Basis für mein Leben, für mein Tun als Christ und als Seelsorger, als Verantwortlicher in so vielen Bereichen. In der Weisheit ist auch die Sehnsucht verborgen, zu erkennen, was Gott von uns wirklich will. Heute und hier. Wie erkennen wir Gott in dieser Welt, in dieser Zeit? Auch für unsere Kirche, für unsere Gemeinden, für Menschen weltweit unterwegs, in dieser Zeit der Pandemie, in Not und in großer Sorge.

Ich wünsche uns allen, dass unsere Wünsche bei Gott, dem Herrn über Leben und Tod, ankommen. Mögen wir die richtigen Wünsche aussprechen. Nicht egoistisch. Sondern immer auch im Blick auf unsere Welt.

Bleiben wir aber immer auch gelassen, gerade wenn manchmal nicht gleich alles so in Erfüllung gehen mag.

Mögen wir das zugesagte Heil empfangen, auch durch das gemeinsame Feiern am heutigen Sonntag!

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