Predigtimpuls – 20. Sonntag im Jahreskreis

P. Lorenz Voith CSsR, Marienpfarre-Redemptoristen Hernals

Wir hörten gerade den heutigen Auszug aus dem Evangelium nach Matthäus.

Im Libanon

Wo befindet sich Jesus in dieser Erzählung? Er befindet sich außerhalb des Gebietes von Israel, Mit seinen Jüngern ist er unterwegs im äußersten Norden, in der Gegen von Tyrus und Sidon, auf der Halbinsel im heutigen Libanon gelegen. Aus damaliger jüdischer Sicht, außerhalb! Mitten unter den Heiden. Ein sogenanntes „unreines“ Gebiet, nach den Vorstellungen der jüdischen Oberklasse und Pharisäer.

Vorher: Jesus wird in seiner Heimat Nazareth abgelehnt. Aber schon erzählte man von Wundern. Man sprach bereits über ihn – dem „Wunderrabbi“. Johannes der Taufer wurde gerade enthauptet. Nun verfolgten einige auch Jesus und seine Jünger. Autoritäten, die diesen Rabbi auf den Fersen waren, ihn für gefährlich hielten.
Er weicht aus. Mit seinen Jüngern. Und befindet sich also außerhalb des Gebietes und des Volkes, zu dem er sich vor allem gesandt weiß. Israel ist der erste Adressat seiner Botschaft der Umkehr, der frohen Botschaft.

Stück um Stück wird diese Sendung aber auch in der Verkündigung Jesu erweitert. Wie uns die Heilige Schrift erzählt. Ja selbst Jesus „lernt“ dazu, erkennt seinen erweiterten Auftrag, … seine Mission Gottes. Zum Schluss des Evangeliums hören wir dann die Aussendung: „Geht in die Welt und verkündet die Frohe Botschaft und tauft die Menschen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Wohl schon angefügt von den ersten Christen, genommen aus den Erfahrungen und Worten des Herrn nach der Auferstehung. Alles hat sich geweitet.

Ein Rabbi unterwegs

In der damaligen Zeit waren viele sog. „Wunderrabbis“ unterwegs. Auch mit ihren Schülern. Und so mache davon waren auch Heiler. Ja, man rannte diesen Personen nach. Besonders in aussichtlosen Fällen, wo die eigenen Ärzte nichts mehr konnten. Jesus wird auch in diese Gruppe gezählt. So auch bei dieser Kanaanäerin; für Jesus und seinen Jüngern eine Ausländerin. Eine Heidin. Die Frau bittet diesen Rabbi, dass er ihre schwer erkrankte Tochter heilte; vielleicht war es ihr einziges Kind. Aber Jesus schweigt. Er lässt sich nicht ein auf irgendeinen Dialog. Doch diese Frau lässt nicht locker. Sie schreit sogar hinterher. Die Jünger werden unwirsch.

Das ist so, wenn wir in gewissen Gegenden Bettler begegnen. Sie werden lästig. Sie laufen dahinter her. Wenn wir dann nicht einheimische Begleiter haben, wird es schwierig, diese abzuschütteln. Ich habe dies selbst in Indien schon mehrfach erlebt. Meine Begleiter schüttelten diese Bettler ab.  Auch die Jünger versuchen es. Aber: Nichts geht; die Frau bleibt hartnäckig. Die Jünger reden Jesus zu: Bitte schick sie weg! Sie wird lästig, sehr lästig.

Nun: Jesus antwortet unwirsch. Dann kommt es doch zum Dialog.

Das schon war ein Tabubruch: Wie kann ein frommer Jude überhaupt mit einer Ausländerin reden? Später war es nochmals so, wie bei der Frau am Jakobsbrunnen.

Das war schon ein Sakrileg. Nun: Jesus lässt sich darauf ein. Und erkennt bei dieser Frau einen Glauben, der mehr ist als bisher erfahrenes, auch bei seinen Jüngern, bei seiner Familie, bisher unterwegs in Israel. Und, obwohl er die kranke Tochter nicht sieht und begegnet: Diese wird geheilt. „Dein Glaube ist groß“. Wirklich. „Es soll dir geschehen, wie du willst“. Ein großartiges Wort – auch für uns heute!

Gibt es Wunder?

Es geht um die Frage: Können unsere Gebete, unsere Bitten, unser Flehen wirklich Wunder bewirken? Innerhalb oder außerhalb der Naturgesetze, die uns heute bekannt sind? Gibt es ein Eingreifen Gottes in diese Welt, in unsere Lebensgeschichten? Gibt es Wunderheilungen?

Als Christen glauben wir ernsthaft, dass Gott in dieser Welt wirkt. Ja! Nicht mehr und nicht weniger. Und darüber können andere vielleicht lächeln, vielleicht den Kopf schütteln.

Es gibt „Wirklichkeiten“ auch außerhalb des (wissenschaftlich) Erwiesenen – so der christliche Glaube, der biblisch grundgelegt ist – auch schon im Alten Testament.

Dass aber alle unser Bitten erfüllt werden, dass ist eine andere Seite. Wir können wohl nicht mit Gebetsstürmen Gottes Eingreifen mehr oder weniger erzwingen. Dass wäre ein seltsamer Automatismus. Was für eine Gottesbild: Z.B.: „Zehn Rosenkranz-Gebete und Gott greift ein“. Nein, so geht es sicher nicht. Auf der anderen Seite kennen wir das Wort von Jesus: „Wer bittet, dem wird gegeben. Wer anklopft, dem wird geöffnet“.

Viele beten beim hl. Antonius um Fürsprache. Wenn sie etwas verloren haben, verlegt haben. Ich weiß nicht, ob der hl. Antonius wirklich helfen kann. Wenn: dann ist es Gott selbst. Und auch nur damit, dass ich das Verlorene wiederfinde. Dass ich nicht verzweifle.

Danke. An dieser Stelle danke ich an einen großen Spender, der viele Hundert-Euro-Scheine vor wenigen Wochen in unseren Antonius-Opferkasten der Marienkirche anonym gegeben hat. Danke! Wir werden es für die soziale Arbeit verwenden! Es muss wohl etwas Besonderes gewesen sein – für diese hohe Summe, die hier ausschlaggebend war für diese Spende!

Kann Gott in dieser Welt Wunder wirken?

Was für Vorrausetzungen braucht es dazu? Zuerst: den tiefen inneren Glauben.

Den finden wir auch bei vielen Wunderheilungen Jesu. Der Glaube an IHN, nicht an etwas, an irgendeine Lehre, an irgendein Dogma. Nein: Der Glaube an diesen Herrn, den Sohn Gottes.

Dieser Glaube versetzt manchmal Berge. Viele Wunder werden dann heute medizinisch als „Spontanheilungen“ bezeichnet, wie bei manchen Wunderberichten in den Heiligsprechungsverfahren.

Gerade auch das Bitten und das Gebet für andere, also nicht für sich selbst, bewirken manchmal kleine und große Wunder, welche wir mit unseren Mitteln nicht erklären können.

Manchmal ist es auch ein Wunder, wenn ich darum bete: „Um die rechte Erkenntnis, das Verständnis für diese oder jede Situation“.

Das Ergebnis: Wenn ich dann vielleicht alles bei mir und rund herum mit neuen Augen anschaue. Der neue Blickwechsel lässt Spuren Gottes erkennen. Auch wenn Krankheit und Leid und große Sorgen nicht einfach weggeblasen werden.

Ich ermutige Sie alle: Bleiben Sie ruhig „lästig“! Entmutigen wir uns nicht.

Bleiben wir im Glauben an diesen Herrn. Und möge Gottes Willen letztlich entscheiden.

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