Predigtimpuls zum 29. Sonntag im Jahreskreis

P. Lorenz Voith CSsR, Marienpfarre – Redemptoristenkolleg Hernals

Das liebe Geld

Im heutigen Evangelium geht es um Geld, besser gesagt um die Steuern. Der Hintergrund der Erzählung aus dem Matthäus-Evangelium ist aber eine Fangfrage. Sie wollten ihn in die Falle locken. Der Ausdruck „in die Falle locken“ stammt aus der Jägersprache und meint das Auslegen von Schlingen. Die Pharisäer wollten Jesus als Irrlehrer entlarven.

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Jesus erkennt den Hintergrund der Frage und antwortet für die Fragesteller unerwartet:

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Und gebt Gott, was Gott gebührt“.

Die Lebenswelt der Menschen in Israel zur Zeit Jesus war geprägt von Abgaben, von Steuern, von einem schweren Joch, auch der Besatzungsmacht gegenüber.

Jesus ist kein weltfremder Beobachter; er weiß, wie der Handel, die Wirtschaft, die Gesellschaft funktionieren, oder auch nicht funktionieren. Immer wieder lobt er die „klugen Verwalter“, oder die, die von ihrem Überfluss wieder etwas abgeben, wie beim Zöllner, der dann sein Jünger wird. Hier wird der Besitz u.ä. nicht verworfen, …

Kaiser/Gott

Später wurde aus dieser Frage (Kaiser/Gott) eine eigene Fortsetzungs-Geschichte geschrieben. Es ging um die weltliche und geistliche Macht, es ging um den eingeforderten Gehorsam der Autorität gegenüber; es ging um Abgaben, Steuern, um das Geld. Und die Kirche war mitten drinnen, auch wo es um Privilegien, oder um Pfründe und anderes mehr ging.

Was meinen wir dazu?

Werden nicht wir auch immer wieder gefragt nach unseren Meinungen? Etwa zu dem Wahlergebnis in Wien, zur Klimafrage, zur „Corona-Pandemie“, oder zu den Fragen von Schöpfung und Leben, zum gemeinsamen Unterwegssein und der Solidarität, wie es Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika wieder aktuell beschreibt…

Gehorsam

Die Frage nach dem Gehorsam gegenüber den Autoritäten wird heute sicher differenzierter gesehen, als noch vor 80 oder 200 Jahren. Wir üben heute leichter Kritik, auch über Vorschriften, über Gesetze, über Steuern und diverse Abgaben. Wir müssen sogar als Christen Kritik üben, wo die „Luft“ von Einzelnen, von Familien oder einzelnen Bevölkerungsgruppen genommen wird; wo die Gerechtigkeit nicht zunimmt, sondern abnimmt. Oder wo ein unbedingter Gehorsam von Diktatoren oder deren Mittelsmänner eingefordert wird. Wo Opposition lebensgefährlich wird.

Müssen wir dem „Kaiser“ (Staat, Autoritäten) alles so geben, wie sie es verlangen? Denken Sie nur an die Naziherrschaft, oder den Stalinismus, Diktaturen wie in China oder Nordkorea, oder in nicht wenigen arabischen Ländern. Wie verhielten sich da unsere Vorfahren? Wie handeln wir heute?

Die Seite Gottes – die Seite des Menschen

Jeder und jede von uns sind im Kreislauf von Wirtschaft, des Geldes, der notwendigen Mittel, der Vorsorge, etc. eingebunden. Wir haben Fix-Kosten zum Leben; wir schaffen uns auch einen sog. „Not-Groschen“, wir können uns auch etwas „leisten“, in verschiedener Hinsicht. Und ein gewisser Wohlstand ist sicher etwas sehr Positives. Andere träumen ein Leben lang davon, …

Gefährlich wird es, wenn wir den sog. „materiellen Göttern“ nachlaufen, ja fast abhängig werden: Wenn Reichtum, Luxus, Spaß, Event, etc. uns beherrschen. Wenn dann letztlich nur mehr die „Stärkeren“ etwas gelten, weil sie Geld, Einfluss, Sicherheit und Ansehen haben.

Jesus ermutigt uns: Auf Gott nicht zu vergessen. Gott selbst als Richtschnur zu nehmen; dazu gehört auch der Blick auf die, die es notwendig haben, …  Ja, es gibt auch ein letztes „Gericht“!

Zum Abschluss: Auch unsere österreichische Kirche, unsere Diözese, unsere Pfarren, brauchen finanzielle Mittel. Zur Schulterung von Grundkosten, wie Miete, Betriebskosten, Personal, uam. Aber auch pastorale Aufträge und Aktivitäten brauchen eine wirtschaftliche Grundlage. Auch die Live-Stream-Übertragungen, die Anschaffungen dazu, die Herausgabe einer Kirchenzeitung, … brauchen finanzielle Mittel.

Für diese Mittel dürfen wir auch danken: Den Kirchenbeitragszahlern, den Menschen, die mit ihren Spenden das gemeinsame „Dach“ Kirche tragen und erhalten! Auch für die Solidarität in diversen pastoralen und sozialen Projekten!

Lassen wir uns herausfordern vom Wort Jesu: „Geben wir Gott, was Gott gebührt“. D.h. auch, was dem Menschen in seiner Gesamtheit gebührt.

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