Predigtgedanken zu Allerheiligen

Ich habe als Primizspruch 2 Verse aus dem Lukasevangelium gewählt, die mich durch die ganze Seminarzeit begleitet haben. Sie haben ihren Platz in der Komplet und haben mich immer tief berührt, weil sie mich an die Treue Gottes erinnern, mit der Er mir begegnet – jedes Mal rufen mir die Worte des greisen Simeon die Freude in Erinnerung, die ich damals empfand, als ich zum Glauben fand und die mich bis heute nicht losgelassen hat; jedes Mal, wenn ich diese Worte lese, helfen sie mir, „dunkle Passagen“ meines Weges im Vertrauen auf IHN durchzustehen; und gleichzeitig rufen sie mir die Würde und Verantwortung eines christlichen Lebens in Erinnerung. Auch Paulus ruft seine Gemeinden auf, sich an die Freude zu erinnern, als sie den Glauben empfingen, weil er weiß: Diese Erinnerung an die Freude des Glaubens kann die Gläubigen seiner Gemeinden durch die Höhen und Tiefen des Lebens tragen. In diesem Sinne sind die Worte des Simeon für mich Aufruf und Weckruf zugleich.

Im Urtext des Pentateuch stellt sich Gott seinem Volk im Dornbusch vor als „ich bin der, als der ich mich erweisen werde“. In der Rückschau und in der Erinnerung an Gottes Handeln wird das Sklavenvolk der Hebräer erkennen, wer Er ist. Wie er es aus der Knechtschaft Ägyptens befreit und ins gelobte Land geführt hat. In unzähligen Geschichten des Alten Testaments, aber auch in Jesus Christus erweist sich Gott als der, der er ist.

Wenn ich auf meinen Weg  zurückblicke, kann ich sagen, dass diese Verheissung des Heils, das allen Völkern – also auch uns – bereitet ist, keine leere Hoffnung ist, denn er ist treu – auch, wenn wir es nicht immer sind. Mein Primizspruch soll Ausdruck der Freude sein, die ich empfinde, wenn ich auf meinen bisherigen Lebens- und  Glaubensweg zurückschaue. Denn Er hat sich gezeigt. Ganz konkret. So möchte ich einstimmen in den Lobgesang des Simeon, denn in ihm ist eben die Verheissung gebündelt, die an alle Völker geht – Juden wie Heiden. Das Heil in unserem Leben zu entdecken, am Leben zu sein – daran erinnere ich mich immer wieder, wenn Simeons Worte im „nunc dimittis“ erklingen.

„Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“

Kaplan Boris Porsch

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