Weihnachten – die Helle der Nacht

Pfarrer Karl Engelmann

Das neuartige Coronavirus hat die Welt durcheinandergebracht. Sie ist nicht mehr so, wie wir sie durch Jahrzehnte gekannt haben. Zwar ist ein Ende der Akutphase der Pandemie in mehreren Monaten absehbar, aber wie das Leben und das Zusammenleben dann aussehen wird, wissen wir nicht.

Ich stelle analog die Frage: Hat nicht auch Weihnachten, die Geburt des Sohnes Gottes, alles durcheinandergebracht? Was ist daraus entstanden?

Die Ankunft Jesu in der Geburt durch eine Frau hat Licht in die Finsternis der Welt gebracht. Die Finsternis konnte und kann dieses Licht nicht überwältigen. Das Licht ist stärker. In der Ankunft des Gottessohnes wird die Nacht unseres Daseins taghell. Das geschieht jetzt. In Weihnachten feiern wir also nicht nur ein Fest der Vergangenheit, sondern eine Aktualität hier und heute. Heute will dieser Retter, dieser Heiland bei mir ankommen. Bin ich bereit ihm mein Herz zu öffnen? Mein Herz kann seine Krippe werden!

Fragen wir anders: Wo in meinem Leben ist Finsternis? Wo erleide ich Finsternis? Finsternisse, entstanden warum auch immer, müssen viele Menschen durchleiden. Sie bedeuten schmerzliche Zustände. Habe ich den Mut, meine Finsternis vom Licht des Weihnachtsfestes durchleuchten zu lassen?

„Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht“, verkündet der Prophet. Als Menschen leben wir im Dunkel der Welt: im Dunkel von Gewalt, Terrorismus, Tod, derzeit im Dunkel von Corona. Das Dunkel kann schmerzen und Depressionen und Trauer auslösen, einzeln wie kollektiv. Aber trotz alldem: Das Licht ist stärker! Das Licht Gottes ist in Jesus in die Welt gekommen und durchleuchtet ihre Dunkelheiten!

Jeder von uns hat viel erlebt. Wir deuten das als Zufall, Schicksal, Glück oder Pech. Aber ich bin überzeugt, dass in all dem genug, ja mehr als genug an Gotteserfahrung enthalten ist. Nicht der Zufall hat Ihnen neue Wege angezeigt, sondern Gott war es, der durch die Umstände gewirkt hat. Betrachten Sie einmal die Erfahrungen Ihres Lebens und fragen Sie sich: Wie war der lebendige Gott darin wirksam?

Zu Weihnachten geht es darum, dass wir trotz aller Finsternis in der Welt die Helle Gottes sehen. Die ganze Welt ist von seinem Licht durchleuchtet. Nicht selten höre ich, wie Menschen Angst vor dem Islam, Angst vor der Islamisierung Europas äußern. Die richtige Antwort auf diese Angst wäre, glaube ich, das Ernstnehmen des Christentums: sich Jesus zu verschreiben, das Leben von ihm durchleuchten, das Leben von ihm prägen zu lassen. Und so kann ich Ihnen nur die eine Gewissheit sagen: Gott ist Ihnen ganz nahe; Sie brauchen diese Wirklichkeit nur wahrnehmen, annehmen und kraft seiner Nähe verwandelt leben.

In diesen schwierigen Zeiten erbitte ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Möge Gott in unser aller Leben kommen und Neues schaffen!

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