8. Dezember: Mariä Erwählung

Bereit zu empfangen

Erste Lesung: Gott will dem Menschen seine Nähe und Freundschaft schenken; das ist der Sinn des „Gartens“. Aber Gott kann nur dem etwas schenken, der fähig ist, zu empfangen. Der Mensch mit der gierig raffenden Hand oder mit der trotzig geballten Faust ist dazu nicht fähig. Er bekommt vielleicht das, was er wollte, aber nur, um dann zu sehen, dass er arm und „nackt“ ist. Er wird auf sich selbst zurückgeworfen; und die ganze Natur leidet darunter, dass die Ordnung gestört ist. Aber nicht das Gericht ist Gottes letztes Wort. Die Rückkehr zu Gott, zum Leben, zum Glück ist dem Menschen verheißen und aufgetragen. Die Schlange, dieses geheimnisvolle, übermenschlich schlaue und bösartige Wesen, wird vom Nachkommen der Frau besiegt werden: Einer wird kommen und den Kopf der Schlange treffen; er wird dem tödlichen Unsinn ein Ende machen und den Menschen eine neue Zukunft geben.

Zweite Lesung: Am Anfang des Epheserbriefs steht ein hymnischer Lobpreis, der alles Handeln Gottes in dem Wort „Segen“ zusammenfasst. Von Ewigkeit her hat Gott uns erkannt und geliebt. Das Offenbarwerden seiner ewigen Größe („Herrlichkeit“) und seiner Gnade ist das Ziel der Schöpfung und der Sinn der Menschheitsgeschichte, auch der Sinn jedes Menschenlebens. Von sich aus kann die Schöpfung dieses Ziel nicht erreichen. Hier greift Gottes Erbarmen ein: Er macht Christus zum Haupt und zur Mitte einer neuen Schöpfung, zu ihrem Retter. Von Sünde ist in diesem Abschnitt nur in Vers 7 die Rede und nur indirekt: Durch das Blut Christi haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er gibt uns als Siegel der Gottesgemeinschaft den Heiligen Geist. Durch ihn haben wir Hoffnung; wir wissen, dass Gott uns angenommen hat.

Evangelium: Maria wird vom Engel als die Frau begrüßt, die mehr als alle anderen begnadet ist. Sie steht in der Reihe der großen Erwählten (Abraham, David) und überragt sie alle. Sie ist der neue Zion, das wahre Jerusalem, dem Gottes besondere Liebe und Gegenwart gilt. Was über Jesus gesagt wird, übertrifft das über Johannes Gesagte bei weitem. Seine Titel und sein Name kennzeichnen ihn als den verheißenen Messias der Endzeit, der die Einheit von Juda und Israel wiederherstellen und über alle Völker in Ewigkeit herrschen wird. Er ist der Sohn der Jungfrau, ist wahrer Mensch und gehört doch zur Welt Gottes. Anders als Zacharias antwortet Maria auf die Botschaft des Engels mit dem einfachen und großen Wort: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Maria ist ein empfangender Mensch. Sie ist offen und bereit, vom Gott ihres Lebens Gnade und Liebe anzunehmen. Der Advent ist eine Einladung an uns, es ihr gleich zu tun: uns zu öffnen und von Gott zu empfangen …

Pfarrer Dr. Karl Engelmann

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