Predigtimpuls Dreifaltigkeitsfest 2020

P. Lorenz Voith CSsR, Marienpfarre-Redemptoristen Wien-Hernals

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde!

Dreifaltigkeit. Ein Ideenfest. Eigentlich nicht grundgelegt in der Heiligen Schrift.

Es ist ein Fest mit vielen Fragezeichen.

Dieses Fest stammt aus dem 11. Jahrhundert und wird ab 1334 weltweit gefeiert.

Das Fest lädt uns ein, über Gott nachzudenken. Das Fest lädt uns aber auch dazu ein, vielleicht viel bescheidener und vorsichtiger und demütiger von Gott zu sprechen, …

Gott ist immer der Andere, … das Andere, … Ist nicht Gott schon immer der Da-Seiende? Auch in den vielen Formen von Religionen, … bei den Naturreligionen, im Hinduismus, im Buddhismus, u.a.m.

Dies sagt auch das 2. Vatikanische Konzil: Gott ist der schon immer Da-Seiende.

Zugleich:
Wir haben als Christen etwas erfahren von Gott, von seiner Gegenwart, von seiner Nähe und Zukunft. Durch Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der Mensch wurde.

Zuerst eine Begebenheit:

Als Edith Stein, die spätere Märtyrerin, Heilige und Kirchenlehrerin, mit dreißig Jahren katholisch geworden war – sie war schon eine bekannte Philosophin –, besuchte sie ihre Mutter in Breslau.

Die Mutter von Edith Stein war ganz tief im jüdischen Glauben verwurzelt. Als sie ihr sagte:

Mutter, ich bin katholisch, weinte diese vor Schmerz über ihre Tochter. Auch über den vermeintlichen Verrat ihrer Tochter am jüdischen Glauben. Edith Stein blieb einige Monate bei ihrer Mutter. Wie früher auch, ging sie mit ihr an jeden Sabbat auch in den Synagogengottesdienst.

Wenn dabei vorgelesen wurde (und das folgt mehrfach im jüdischen Gottesdienst): Höre Israel, dein Gott ist ein einziger, dann flüsterte die Mutter zu ihr: Hörst du es? „Dein Gott ist nur ein Einziger“! 

Für Juden und Muslime, die gerne auch als monotheistische Glaubende bezeichnet werden, ist die christliche Lehre von dem einen Gott in drei Personen immer schon ein Stein des Anstoßes gewesen.

Edith Stein lebte von 1891 bis 1942, als Karmelitin wurde sie von den Nazis in Auschwitz ermordet. Viele großartige Texte hat sie verfasst, …ihr blieb dieser dreifaltige Gott EIN Gott und doch in tiefer Vielfalt.

Ja. So ist es.

Wie kommen wir Christen eigentlich zu der Aussage, zu dem Bekenntnis, dass Gott dreifaltig oder dreieinig ist?
Wie viele Dreifaltigkeitssäulen gibt es in unserem Land? Hunderte! Auf vielen Hauptplätzen, auch am Wiener Graben, … Die Darstellungen sind Zeichen der Geschichte unseres Landes, der Glaubensgeschichte, auch in tiefer Not, bei Seuchen, Kriegsgefahr, uam.

Sie können aber auch verwirren, …

Im heutigen Johannesevangelium heißt es:

„Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“.

Johannes 3,16

In diesem heutigen Evangelium ist die christliche Erlösungslehre verborgen. Wir haben heute nicht die Zeit und den Platz, diese auszuführen.

Bleiben wir bei dem Zugang zu diesem Sohn Gottes: Jesus ist der Weg.

Jesus heißt übersetzt: Gott ist Heil. Gott ist Hilfe.

Jesus sagt zu Pfingsten: Ich bin mit euch alle Tage – bis zum Ende der Welt.

Wir glauben und bekennen: Im Heiligen Geist ist er mitten in der Kirche, mitten unter den Menschen.

Wer es fassen kann, fasse es.

In der Taufe wurden wir alle getauft: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Eine großartige trinitarische Zusage!

Verschiedene Zugänge

Viele Christen haben in ihrem Leben einen je eigenen Zugang zu Gott gefunden (nicht nur über Maria oder über einen der berühmten Heiligen, wie dem hl. Antonius, …). Auch unsere Gebete wechseln im Laufe eines Lebens: Bete ich zu Gott, dem Vater? Bete ich zu Christus, zum Erlöser, zum Heiland, zum Bruder? Bete ich zum Heiligen Geist. Gott selbst hier unter uns? Ich denke, diese Wege sind unglaublich spannend, … und „reich-machend“, …

Die Zweisprache zu dem EINZIGEN GOTT, ist „viel-fältig“.

„Höre, Israel, Gott ist ein Einziger“ – dieses Wort aus dem Alten Testament – passt auch heute.

Hört, ihr alle Christen, Gott ist ein Einziger – er geht vor euch her“. Dieses passt zu uns heute.

Vielleicht macht uns dieses Fest auf noch etwas aufmerksam:

Es lädt und sein bescheiden und dankbar zu sein. Gott ist nicht mein Eigentum. Er ist größer als meine Sehnsucht und mein Herz, größer als das Elend und auch jede Schuld.Größer auch als die Kirche und alle kirchlichen Gemeinschaften. Gott ist größer als so viele Gedanken großer Theologen oder auch Prediger. Es soll uns vor der Selbstvergöttlichung hüten.

Und trotzdem: Wir können diesen Gott in aller Schlichtheit empfangen: In der Eucharistie, in diesem Gottesdienst. In seinem Wort. Etwas großartiges.

Lassen Sie mich schließen: Der zweite UN-Generalsekretär Dag Hammerskjold (1905-1961), der aus dem protestantischen Glauben seiner Heimat Norwegen viele tiefe Texte verfasste, hat folgendes Gebet verfasst – welches zu Dreifaltigkeit- Trinitatis wunderbar passt— und einen je unterschiedlichen Zugang zu dem einen Gott beschreibt.

Vor dir, Vater, in Demut und Glaubensgehorsam,
damit wir deine Söhne und Töchter bleiben und du uns Vater bleibst.
Mit dir, Bruder Christus, damit wir den Weg zum Vater finden.
In dir, Heiliger Geist, damit wir uns von dir begeistern, leiten, heiligen und mit Liebe erfüllen lassen.

Amen.

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