5. Ostersonntag

Der wahre Weinstock und wir als die Reben.

Pfarrer Dr. Karl Engelmann

Die Schwierigkeit, an die Auferstehung Jesu zu glauben, kommt für viele weniger aus dem Ereignis selber als aus seiner scheinbaren Wirkungslosigkeit. Sind die Menschen anders geworden? Ist die Welt besser geworden? Wahrscheinlich gehören wir selbst zu denen, die so fragen. Es geht aber um die Wahrheit der Auferstehung Jesu. Die Wahrheit kann nur durch die Wahrheit bewiesen werden. Es geht um die gelebte Wahrheit. Jesus ist die unwiderrufliche Wahrheit Gottes, er ist die Konkretheit Gottes für uns alle. Er redet nicht von der Wahrheit, sondern er tut die Wahrheit. Wer die Wahrheit tut, wer durch sein Wort Klarheit für sein Leben gefunden hat, ist derjenige, der Gott ehrt und denen hilft, die Gott suchen.

In der ersten Lesung hören wir, dass es für den neubekehrten Saulus, den Paulus, nicht leicht war, den Anschluss an die Gemeinde von Jerusalem zu finden; es gab ihm gegenüber noch viel Misstrauen. Barnabas war ihm ein Freund und Helfer geworden. Dann aber kam die Gefahr von der anderen Seite, von den „Hellenisten“, Griechisch sprechende Juden, einst Freunde des Saulus. Die hätten ihn nun am liebsten aus dem Weg geräumt. Gott aber hatte mit Saulus noch große Dinge vor.

In der zweiten Lesung hören wir, wie man erkennen kann, ob wir in Gott verankert sind. Ob wir in der Wahrheit und Gnade Gottes leben, erkennen wir an der Liebe zu unseren Schwestern und Brüdern und an dem Frieden, den wir selber haben und anderen mitteilen, nämlich den tiefen Frieden des Auferstandenen. Die Liebe fordert den ganzen Menschen, seine Zeit und seine Kraft. Aber sie gibt mehr, als sie fordert; sie gibt dem Menschen die Gewissheit, dass er mit Gott in Gemeinschaft ist.

Jesus, der gute Hirt, ist auch der wahre Weinstock. Im Alten Bund war das Gottesvolk Israel der Weinberg Gottes gewesen. Der gute Weinstock aber ist Jesus selbst, der Mittler des neuen Bundes. Wer mit ihm Gemeinschaft hat, der hat das Leben. Wer in ihm bleibt und an seinem Wort festhält, dessen Leben ist fruchtbar. Was vom Weinstock abgeschnitten ist, verliert dieses Leben. Ein schönes Bild.

Es geht darum, die Wahrheit in Liebe zu tun. So lautete auch der Wahlspruch von Kardinal König. In der Wahrheit Gottes zu leben und das auch den Menschen in Wort und Tat zu verkünden, zu erzählen, ist der missionarische Aspekt unseres Christseins. Wir dürfen unser Christsein nicht verstecken, sondern haben uns zu ihm zu bekennen.

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