Einen Segen empfangen – ein Segen werden

Predigtimpuls von Pater Lorenz Voith CSsR, Marienpfarre – Redemptoristen, Wien-Hernals zum 1. Jänner 2022

An einem Neujahrstag schauen wir nicht mehr zurück – wie an Silvester, oder die Tage vorher. Wir schauen nicht zurück – auf die drängende Situation des alten Jahres – das durch die Corona-Pandemie diesmal besonders geprägt war. Oder durch viele auch persönliche Einschnitte. Nein: Am ersten Tag des neuen Jahres schauen wir in das Neue.

„Allem Anfang liegt ein Zauber inne“, so ein berühmter Dichter.


Wir wünschen uns heute ein gutes, gesundes und vor allem ein gesegnetes Jahr.

Wunsch nach einem Segen

Viele von uns wünschen einander ein gesegnetes Jahr. Der Segen möge uns begleiten. Das finden wir auch in vielen Religionen. Und: seit Jahren ist der Wunsch nach einem Segen steigend gefragt; auch für „Liebende“, für das neue Haus, Auto, für Tiere, bei Anschaffungen aller Art. Auch der Einzelsegen bei den Stadtwallfahrten ist sehr wichtig geworden.

Der Wunsch nach Segnungen kommt von ganz unterschiedlichen Personengruppen, auch von sonst wenig mit Kirche und Glauben Verbundene.  In den letzten Jahren wurde die Forderung erhoben, auch in der kath. Kirche Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare zu ermöglichen. In einigen Kirchen in Europa und Nordamerikas wurde das auch umgesetzt. Der Wunsch nach einem Segen ist allerorts mehr und mehr begehrt.

Segen-benedicere 

Der Begriff Segen (althochdeutsch segan, auch segon, segin, segen,  ist entlehnt aus lateinisch signum „Zeichen, Abzeichen, Kennzeichen“, ab dem späten 2. Jahrhundert auch Kreuzzeichen). Der christliche Begriff Segen entspricht dem lateinischen Wort benedictio, geleitet von benedicere aus bene („gut“) und dicere („sagen“), also eigentlich von jemandem gut sprechen, jemanden loben, preisen.

Das hebräische Wort barach (hebr.: ברך) für segnen erscheint erstmals am fünften Tag der Schöpfungsgeschichte, bei der Erschaffung der Seetiere und der Vögel. Die Schöpfung des sechsten Tages, die Tiere des Landes und den Menschen, segnet Gott in derselben Weise.

Ein alter schöner Segensspruch der Bibel

Der Text aus dem Buch Numeri – er wird immer am 1.1.vorgelesen – enthält den ältesten und bekanntesten Segensspruch aus der Bibel. Wir hören diesen in der heutigen Lesung. Gott, der Herr, gibt dem Aaron eine Segensformel für das Volk Israel auf den Weg. Der Text ist uns allen vertraut – ich wiederholde diesen:

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Er wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Heil!“

4 Mose 6, 24-26

Der Segen bedeutet nichts anderes aus: VERTRAUE DARAUF!

Der Text will uns ermutigen, gerade im neuen Jahr: Im Christentum kennen wir zahlreiche Segensfeiern. Eine der berühmten Segensfeiern ist der Papst-Segen: „urbi et orbi“.

Wir segnen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ein schöner Segen- inhaltsvoll. Zum Segnen ist eigentlich jeder Christ befähigt, nicht nur Priester, Diakone, Ordensleute, …

Segnen: Neben aller berechtigten Sorge und Angst, die viele von uns haben. Vor der Zukunft, vor Krankheiten – eigenen oder der nahen Menschen, vor Tod, … Verlust, … Scheitern, …Vor Kriegen, aber auch vor der Angst um die Zukunft – der Arbeit, die Ausbreitung der Pandemie, … Denken wir auch an Menschen, die 50+ oder 55+ sind und nach einer Entlassung, Umstrukturierung oder Schließung des Betriebes keine Arbeit mehr finden, … abstürzen, …

Der Segen für das neue Jahr können uns vielleicht sagen:

  1. Steck deinen Kopf nicht in den Sand. Schau voraus, tu, was zu tun kannst. Auch wenn kein Mensch mehr an deiner Seite ist, Gott steht zu dir als glaubender Mensch. Wenn das nicht so wäre, wäre unser Glaube nichtig, nur ein Kult, sinn-entleert, …
  2. Lass gelingen, was in deinen Möglichkeiten und geschenkten Talenten steckt. Lass zu, was darüber hinaus geht, oder lass es auch manchmal sein, …
  3. Mache manche Probleme der Anderen nicht immer zu deinen eigenen Problemen. Ich darf mich auch schützen!
  4. „Pflanze Apfelbäumchen, selbst wenn man dir sagt, die Welt sei nicht zu retten/geht morgen unter – aber pflanze es“ (vgl. bei Martin Luther).
  5. Hilf denen wieder auf die Füße, die gefallen sind, selbst wenn sie erneut fallen.

Gott sagt uns Glaubenden: Du bist Kind Gottes. Keiner kann dich aus meiner Hand entreißen! Das dürfen wir am Beginn dieses neuen Jahres mitnehmen.

Ein neuer Anlauf

Zugleich können wir selbst zum Segen werden. Vergessen wir das nicht, es gibt viele Gelegenheiten Möglichkeiten, … Oft im Verborgenen, … in Solidarität, im konkreten Tun, …

Wenn wir an Gottes Zuspruch glauben: „Dann versetzen wir vielleicht Berge“. Das haben viele Menschen vor uns schon erfahren dürfen, … durch die Geschichte hindurch.

Möge es uns gelingen: In aller Bescheidenheit, in aller Demut. Aber auch im Wissen, in der tiefen Ahnung: Der mich segnet, geht mit mir.


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